Der Vergleich ist unfair. Und genau deshalb ist er interessant.
Auf der einen Seite der Renault R5 Turbo 3E: elektrisch, 540 PS, limitiert auf 1980 Stück, teuer, exklusiv, aufgeladen mit Geschichte und erst 2027 erhältlich für abgehobene ca 145.000 CHF (ca 155.000 Euro).
Auf der anderen Seite der Toyota GR Yaris: Verbrenner, dreizylindrig, Rallye-DNA, Großserie im besten Sinne – und vor allem: gebaut zum Fahren, steht beim Händler für mutige 49.200 CHF. (51.900 Euro)
Beide beanspruchen Emotion. Beide sprechen Enthusiasten an. Aber sie tun es aus völlig unterschiedlichen Richtungen.
Der R5 Turbo 3E: Ikone als Objekt
Der Turbo 3E ist kein klassischer Hot Hatch. Er ist ein Halo-Car. Ein Statement. Ein Design- und Technikträger, der zeigen soll, was Renault kann – nicht unbedingt, was Renault will verkaufen.
540 PS, Dualmotor, extreme Individualisierung, hoher Preis, lange Wartezeit. Alles daran schreit: Sammlerstück. Selbst wenn er fährt – er ist nicht dafür gedacht, Alltag oder Tracktool zu sein. Er ist ein Symbol. Und Symbole müssen nicht logisch sein.
Das Problem: Er ist zu weit weg von der Realität der meisten Enthusiasten.
Photo aus dem engl. Car Magazine.
Der GR Yaris: Moderne Homologation
Der GR Yaris ist das Gegenteil. Kein Symbol, sondern ein Werkzeug. Ein Auto, das existiert, weil Toyota Rallye fahren wollte – und weil man bereit war, dafür ein absurdes Kleinserienprojekt durchzuziehen.
Er ist nicht billig. Aber er ist erreichbar.
Er ist nicht perfekt. Aber er ist ehrlich.
Und vor allem: Er wird gefahren. Jeden Tag. Auf Pässen, im Winter, auf Trackdays.
Der GR Yaris ist kein Marketingprodukt. Er ist ein Nebenprodukt von Motorsport. Und genau deshalb funktioniert er so gut.
Die entscheidende Frage: Warum kein elektrischer GR Yaris?
Jetzt wird es spannend.
Was wäre, wenn man die Philosophie des GR Yaris – also:
-
kompakt
-
leicht (relativ)
-
allradgetrieben
-
kompromisslos fahrdynamisch
…mit einem elektrischen Antrieb kombinieren würde?
Rechnen wir es brutal nüchtern.
Gedankenspiel: GR Yaris EV
-
4 Radnaben- oder Achsmotoren
-
ca. 100 PS pro Rad
-
ergibt ~400 PS Gesamtleistung
-
echtes Torque Vectoring, nicht software-, sondern hardwarebasiert
-
Schwerpunkt extrem tief
-
Allrad nicht per Kupplung, sondern per Physik
Leistungsseitig wäre das mehr als ausreichend. Fahrdynamisch sogar überlegen. Beschleunigung, Traktion, Präzision – alles wäre da.
Preislich?
Mit heutiger Technik, Toyota-Skalierung und ohne künstliche Limitierung wäre ein solches Auto realistisch bei CHF 75’000 bis 85’000 (80.000 bis 91.000 Euro) positionierbar.
Und jetzt kommt der entscheidende Punkt:
Das wäre deutlich günstiger als der R5 Turbo 3E – und fahrbarer.
Nur Vision & Idee GR Yaris EV (KI).
Warum macht Toyota das (noch) nicht?
Nicht aus technischen Gründen. Nicht aus Kostengründen.
Sondern aus Haltungsgründen.
Toyota schützt die GR-Marke. Sehr bewusst. GR steht für Motorsport, Verbrenner, mechanische Verbindung. Ein elektrischer GR Yaris müsste diese Werte neu definieren – und das Risiko ist hoch.
Renault geht den anderen Weg: Sie entkoppeln Emotion vom Alltag und packen sie in ein limitiertes Objekt.
Was wäre für Enthusiasten spannender? Ganz ehrlich?
Ein nicht limitiertes, elektrisches Performance-Kompaktauto nach GR-Philosophie wäre für Fahrer spannender als ein 540-PS-Retro-Objekt, das man reserviert, nummeriert und hofft, irgendwann zu bekommen.
Der Turbo 3E ist laut in der Kommunikation.
Ein elektrischer GR Yaris wäre laut auf der Straße.
Fazit
Der R5 Turbo 3E zeigt, was elektrisch möglich ist – aber er kapselt es ab.
Der GR Yaris zeigt, wie man Emotion industrialisiert – aber (noch) ohne Elektro.
Die eigentliche Vision wäre die Kombination aus beidem:
-
elektrische Leistung
-
kompakte Abmessungen
-
ehrliche Fahrdynamik
-
kein künstlicher Mangel
Ein elektrischer GR Yaris mit ~400 PS für unter 90’000 CHF (96.000 Euro)?
Das wäre kein Sammlerstück.
Das wäre eine Ansage.
Was denk ihr?

